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Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda

Glaube und Leben

Der TÜV des Lebens Glaube und Leben

Wenn der rote VW Vento mit mir durch die Straßen fährt, schaue ich auf die anderen Autos. Große und kleine, neuere und ältere. Grundsätzlich erwarte ich, dass diese Autos hundertprozentig fehlerfrei sind. Sonst würden sie nicht fahren. Gegen diesen Augenschein steht die neueste Studie der Dekra. Über 80% aller Autos haben Mängel. Wie es den Autos also wirklich geht, kann ich nicht wissen. Zieht der Motor richtig? Funktioniert die Elektronik tadellos?
Blicke ich auf meine Straße des Lebens, begegne ich vielen Menschen. Beim Bäcker oder in der Rosspasage, es wirkt, als ob es für die anderen gut läuft. Klar, bei dem einen etwas besser, bei dem anderen etwas schlechter. Es gibt eben einen Passat und einen Polo, aber alle scheinen gut zu leben. Und wenn andere mich auf der Lebensstraße sehen, würden sie wohl etwas Ähnliches sagen: läuft gut, funktioniert.
Die Straße des Lebens, auf der alle irgendwie okay sind. Ein schönes Bild – das aber nicht stimmt. Denn es gibt zwei Erfahrungswelten, die das Bild durcheinander bringen. Da sind einmal die Fälle von Fehlverhalten der anderen. Im Großen sind es Geschichten der Prominenten von Steuervergehen oder Fehltritten. Im Kleinen sind es Erlebnisse mit Menschen, denen man so eine Reaktion nie zugetraut hätte.
Aber wirklich gefährlich sind die eigenen Erfahrungen. Mein persönlicher TÜV. Ich merke, dass ich wieder einmal genervt bin. Das ich keine Lust habe, dieses oder jenes zu tun. Dass ich mich schon längst bei diesem oder jenem hätte melden sollen. Dass ich Leute verletzte oder in Frage stelle. Wer sich einem ehrlichen TÜV-Persönlichkeitscheck stellt, wird dem zustimmen. Zustimmen müssen: Ich selbst bin kein fehlerfreies Auto, auch wenn das eigene Fehlverhalten den anderen nicht immer auffällt.
Die Passionszeit, die 7 Wochen von Aschermittwoch bis Karfreitag, sind eine Art TÜV-Zeit. Auf sein Leben zu schauen, seine Fehler entdecken, und dann mit dem Psalm 130 ehrlich zu bekennen: Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir, wenn Du Sünden anrechnen willst, wer will bestehen? Dieser Psalmvers ist nicht die Erfahrung eines Verbrechers, sondern eines normalen Menschen. Mein eigenes Leben schafft den TÜV nicht mehr. Und darum wird die richtige Adresse angesprochen: „…rufe ich Herr, zu Dir…“ Jesus Christus ist der, der für uns da ist, so wie wir sind. Nur mit ihm kommen wir mit uns selbst zurecht. Da gibt es eine Hilfe. Selten im Expressverfahren, aber Gott greift ein. Mit dieser Osterhoffnung kann die TÜV-Zeit der Passionszeit kommen. 

Pfr. Folker Blischke

 

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