In der Fahrschule lernt man eine einfache Grundregel: Je schwerer ein Fahrzeug ist, desto länger braucht man, um anzuhalten. Heinz Erhardt, der unvergessene Komiker, hat diese Erfahrung auf unser Leben übertragen: „Mit den Menschen ist es wie mit den Autos: Laster sind schwer zu bremsen.“ Nicht nur der, sondern auch das Laster kann nur mit Mühe und Anstrengung gestoppt werden. Nicht nur ein Lastwagen in voller Fahrt, sondern auch eine eingefahrene schlechte Gewohnheit braucht einen langen Bremsweg.
Auch wenn wir beim Stichwort „Laster“ zuerst an Dinge wie Zigaretten oder Alkohol denken, steckt mehr dahinter. Es sind Gewohnheiten, die uns selbst nicht gut tun. Vieles an oberflächlichen Ablenkungen durch das Fernsehprogramm prägt unser Bild der Wirklichkeit, die vielleicht gar nicht die richtige Wirklichkeit ist. Das Schauen auf Dinge, die wir gerne besitzen möchten, nimmt uns den Blick für die eigentlichen Werte, die das Leben ausmachen. Die im Kalender fest verplante Zeit bestimmt unser Lebenstempo – und wir fühlen uns schnell durch den Alltag geschoben und gedrängt. All diesen innerlichen Lastern ist eines gemeinsam: Wir merken nach kurzer Zeit nicht mehr, dass uns diese oder jene Einstellung eigentlich nicht gut tut.
Mit dem Aschermittwoch am 22. Februar beginnt wieder die Passions- und Fastenzeit. Vielleicht sind diese sieben Wochen bis Ostern ein guter Bremsweg für unsere Gewohnheiten. Die Chance, Geschwindigkeit und Hetze aus unserem Leben herauszunehmen und zur Ruhe zu kommen. Die Gelegenheit, schädliche Angewohnheiten aufzugeben, die eine Eigendynamik bekommen haben. Die Möglichkeit, wieder neu auf Gott und seinen Willen zu hören. Gott als unser Schöpfer weiß am Besten, was uns wirklich gut tut und unser Leben erfüllt.
Vielleicht sind die sieben Wochen bis Ostern ein guter Weg für uns: Ein Bremsweg für den übertriebenen Medienkonsum, für das Immer-mehr-haben-Wollen und die Terminflut. Und ein Weg, stattdessen jeden Tag in Gottes Wort zu lesen und zu entdecken, was mir wirklich gut tut.
Die Fastenzeit – ein wertvoller Bremsweg, damit wir nicht unter die Räder kommen und von den eigenen Lastern überrollt werden.
Ihr Pfarrer Folker Blischke (Roßla)