Zur Einführung:
Der Landstrich zwischen Südharz und Kyffhäusergebirge ist in seiner landschaftlichen
Schönheit und der Fülle seiner Bau- und Kunstdenkmale nicht nur eine Augenweide.
Als „Orgellandschaft“, die klingt, kann man ihn auch mit den Ohren erleben. Dass dies
heute noch - und wieder - so ist, verdanken wir dem Engagement vieler, die sich für die
Erhaltung der historischen Orgeln, für ihre Verwendung im Gottesdienst und ihre regelmäßige
konzertante Präsentation einsetzen. Die Kirchengemeinden, zahlreiche Spender und Stifter, auch die öffentliche Hand, die Mittel für Zwecke der Orgeldenkmalpflege ausreicht, haben daran ihr Verdienst.
Keine Orgellandschaft aber lebt und klingt ohne einen spiritus rector. Im diesem Sinne
hat Kreiskantorin Martina Pohl in den letzten Jahren den reichen Bestand an historischen
Instrumenten durch kontinuierliche musikalische Arbeit als Klanglandschaft ins Bewusstsein gehoben und dabei Akzente gesetzt, die über das Allbekannte hinausgehen.
Neben die Orgeln des weltberühmten Zacharias Hildebrandt in Sangerhausen, Sotterhausen und Pölsfeld treten die reizvollen Werke kleinerer Meister wie Papenius und die interessanten romantischen Orgeln von Julius Strobel. Mit der Restaurierung der lange Zeit unterschätzten Strobel-Orgel in der Sangerhäuser Ulrichskirche ist ein Meilenstein in der Orgeldenkmalpfl ege der Region gesetzt worden. Noch größere Aufmerksamkeit aber wird die Südharzer Orgellandschaft in Zukunft auf sich ziehen, wenn es gelingt, eines der ältesten Zeugnisse der Orgelbaukunst in Mitteldeutschland wieder zum Klingen zu bringen.
Das gegenwärtig ausgelagerte Kelbraer Orgelpositiv, datiert in die Zeit der Wende des 16. zum 17. Jahrhundert, ist noch nicht als klingendes Werk, aber immerhin schon als „Planungsvision“ am diesjährigen Orgelfestival beteiligt. Ein Colloquium erörtert die Möglichkeiten seines Wiederaufbaus in der Kelbraer Martinskirche. Es besteht die große Chance, mit diesem Restaurierungsvorhaben einzustimmen in die kulturellen Aktivitäten der bis 2017 dauernden „Reformationsdekade“ - und damit den Südharz auch zu einen Schwerpunkt für alte und älteste Orgelmusik und ihren authentischen Klang zu machen.
Dr. Holger Brülls, Landesamt Halle
Flyer des 1. Südharzer Orgelfestival: 1. Südharzer Orgelfestival
Konzerte:
31. Mai, 19:00 Uhr: St.Jacobi, Sangerhausen
Werke von Johann Sebastian Bach
Orgel: Hansjörg Albrecht
Anschließend Empfang
1. Juni, 16:00 Uhr: St. Martini, Stolberg
Werke von Dietrich Buxtehude, Johann Gottfried Walther, Johann Sebastian Bach
Orgel: Domorganist Michael Pohl
1. Juni, 21:00 Uhr: St. Moritz, Pölsfeld
Ensemble Concert Royal, Köln
Barockoboe Karla Schröter
Orgel: Willi Kronenberg
2. Juni, 10:00 Uhr: St. Martini, Kelbra
Veranstaltung mit Diskussion: Renaissancepositiv Kelbra - älteste Orgel in Sachsen Anhalt"?
Reinhard Teschke: "Langjährige Bemühungen um die Wiederentdeckung eines Schatzes"
Matthias Schuke (Schuke Orgelbau Potsdam): "Renaissanceorgel Kelbra - der älteste Bestand in unseren Händen"
Dr. Holger Brülls (Landesamt Halle): "Die Kelbraer Renaissanceorgel im Kontext: Zukunftsaufgaben der Denkmalpflege an Zeugnissen früher Orgelbaukunst in Sachsen-Anhalt
2. Juni, 15:00 Uhr, St. Salavator, Tilleda
Werke von Sammartini, Corelli, Vanhal, Mozart, Bach
Orgel: Martina Pohl
Violine: Götz Bernau, Albrecht Börner
2. Juni, 19:00 Uhr, St. Ulrici, Sangerhausen
Orgel: Matthias Dreißig
3. Juni, 15:00 Uhr, St. Georg, Sotterhausen
Solokantaten der Barockzeit: Geistlich, farbig, klangsinnlich, virtuos
Baß: Gotthold Schwarz
Violine: Katharina Arendt
Oboe: Markus Müller
Violoncello: Hartmut Becker
Orgel: Mechthild Werner
3. Juni, 18:00 Uhr, St. Jacobi, Sangerhausen
Abschlusskonzert